Das Gefühl des ständigen Überfordert Seins

Gestern saßen wir am Frühstückstisch, da platze es einfach so aus mir heraus: „Wann hört eigentlich dieses Gefühl des ständigen Überfordert seins auf?“ D. schaute mich erstaunt an. „Ich hätte nicht gedacht, dass du das auch hast!“ Eine Bestandsaufnahme.

Es ist August. Unser Sohn ist nun 16 Monate alt, vor 16 Monaten beschlossen wir, etwas an unserem Leben zu ändern und arbeiten seither kontinuierlich daran auszumisten. Seit 16 Monaten ordne ich unsere Finanzen neu und immer wieder erschreckt es mich, wieviel Geld wir einfach so ausgeben. Vor 16 Monaten wurde uns klar, wenn wir unserem Kind eine Welt hinerlassen wollen die noch so ist, wie wir sie vorgefunden haben, dann müssen wir was ändern. Seit 16 Monaten dauert diese Reise.

Heute war ich an so einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr weiterkam. H. war krank. Auf der Arbeit war grade ein Wassereinbruch im neuem Gebäude und mit der Familie gab es auch mal wieder Probleme.

(btw. Während ich diese Zeilen schreibe räumt man Sohn grade Schubladen aus, die er eigentlich nicht öffnen können sollte… )

Die einschlägige Fachliteratur behauptet, an diesen Punkt kommt jeder einmal. Wir beide als Pädagogen, stehen dann immer vor dem Problem, dass wir es zwar wissen, aber bei uns wird das doch nicht so sein. Bei uns darf das doch nicht sein! Schließlich sind wir Profis. Man vergisst hier nur allzu leicht, dass man auch selber Mensch ist.

Man könnte also sagen, das wir beim Frühstück gestern Morgen die Wandlung vom Pädagogen zum Menschen vollzogen haben. Und Menschen sind nun manchmal einfach kaputt. Da hilft nur Freiräume schaffen.

So ist D. heute Morgen vier Stunden in ihrem Nähzimmer verschwunden, während ich dann vier Stunden nach dem Mittagessen wandern war, einfach so, ohne Familie. Bzw. nur mit Hund. Batterien auftanken sagt man, aber so richtig weiß man diesen Ausdruck erst zu würdigen, wenn die Batterien mal leer waren.