Neustart

Daniel geht

Nachdem ich lange gehadert habe ob ich nochmal einen Blog starten möchte, habe ich mich in den letzten Tagen klar dafür entschieden.

Der Grund war mein Tagebuch aus dem Jahre 2020. Darin fand ich jede Menge Einträge darüber wie sehr mich das Schreiben weitergebracht hat und wie sehr ich mich gefreut habe etwas online zu stellen. Nicht mit der Prämisse, dass es Leute lesen, sonder als Aufforderung an mich selbst.

Diese Möglichkeit der Selbstreflexion möchte ich wieder angehen. Denn sie fehlt mir. Zumindest habe ich das Gefühl.

Ich gebe dem ganzen einen neuen Namen: „Daniel geht“

Dabei denke ich an verschiedene Kategorien, die da wären:

Daniel geht’s gut. Einträge zur allgemeinen emotionalen Lage.

Daniel geht zu Fuß. Einträge über meine Wanderungen.

Daniel geht wirklich. Einträge über den Weg in die finanzielle Freiheit.

Daniel geht auf LARP. Einträge über mein Lieblings Hobby.

Vielleicht finde ich noch eine Kategorie. Aber eigentlich möchte ich mich selbst beschränken.

Ein paar der alten Einträge belasse ich auf dem Blog. Es fühlt sich richtig an zu zeigen, dass es durchaus Lücken geben darf.

-Daniel 5. Dezember 2024

Finanzen und Orks

Eine Bestandsaufnahme

Tja, wie alt man werden kann ohne sich groß um seine Finanzen zu kümmern. Mitte Dreißig waren ich und D. Und nicht nur das, wir hatten sogar ein Haus gekauft und einen Sohn (und nen Hund). doch ein dumpfes Gefühl regte sich ganz tief. So ein Gefühl, das man zwar irgendwie hinkommt, aber doch nicht so recht weiß, was da eigentlich auf dem Konto passiert.

So ein Gefühl hatten wir in den letzten Monaten öfters, wie man hier im Blog nachlesen kann. Und D. hat dafür eine tolle Umschreibung gefunden: „Trommeln, Trommeln in der Tiefe…“ aus dem „Herr der Ringe“ die Szene als Pipin einen Stein in den Brunnen in der Zwergenmiene warf und dann das warten auf das Unheil, was sich schließlich durch Trommeln ankündigt.

Wir sitzen also in unserer eigenen Miene und haben den Stein selbst geworfen. Die Orks werden kommen, das ist nicht zu ändern. Irgendwann wird eine große Finanzielle Belastung kommen (Rohrbruch, Auto Reparatur, neuer PC, … ) und manche davon wissen wir schon (z.B. den Restwert der Heizung die wir z.Z. abbezahlen). Jetzt gilt es also die Schwerter zu ziehen und die Sinne zu scharfen.

Schauen wir mal durch die Tür wer da kommt. Eine Liste mit erwarteten Ausgaben war garnicht so einfach. Schlussendlich waren es folgende Dinge, die auch unsere Wünsche berücksichtigten:

Reperaturen am Haus (geschätzt 1500€)
Auto Reperaturen (geschätzt 1000€, es wir ja immer älter)
Jahresurlaub (geplant 800€)
Tierarzt (aus den letzten Jahren 100€)
Geburtstage und Hochzeiten (200€)
Neues Fahrrad (2700€ in 5 Jahren)
Dach neu eindecken (30000 in 5 Jahren)
usw.
Am Schluss kamen wir auf eine Monatliche Belastung von 1908,93€ … Uff

Dann mal die Fixkosten raussuchen und notieren. Eigentlich hatte ich schon keine Lust mehr als ich sah, was D.´s private Krankenkasse im Monat kostete. Dann noch zwei Handyverträge, Gas, Zinsen und Tilgung, Strom, Kita-Gebühren… ein Gesamtbetrag von 2765,52€… da blieb mir die Spucke weg.

Als letztes noch einmal grob überschlagen was wir an Lebensmittel Drogerieartikel und Kleidung und Hobbie ausgaben: 1459,45€

Das waren nicht nur ein paar Moriagoblins… das war eine verdammte Trollarmee!

Unsere Ausgaben im Monat inkl. der zu erwartenden Kosten betrug 6133,90€

Das war ein Schlag, den ich erst einmal verkraften musste. Vor nicht einmal 15 Jahren lebten wir beide jeweils noch in einem Zimmer und kamen mit 400€ im Monat aus. Nicht das man mich falsch versteht, das war kein schönes Leben und ich möchte nicht dahin zurück, aber das man innerhalb weniger Jahre so krass seine Ausgaben steigern konnte ist schon bemerkenswert.

Was wir jetzt genau damit anfangen, dass müssen wir erst einmal herausfinden. Denn während ich zu radikalen Lösungen tendiere (Handy kündigen, Versicherungen loswerden, weniger für Nahrungsmittel ausgeben) ist D. darauf bedacht den aktuellen Lebensstandard zu halten.

Das Gefühl des ständigen Überfordert Seins

Gestern saßen wir am Frühstückstisch, da platze es einfach so aus mir heraus: „Wann hört eigentlich dieses Gefühl des ständigen Überfordert seins auf?“ D. schaute mich erstaunt an. „Ich hätte nicht gedacht, dass du das auch hast!“ Eine Bestandsaufnahme.

Es ist August. Unser Sohn ist nun 16 Monate alt, vor 16 Monaten beschlossen wir, etwas an unserem Leben zu ändern und arbeiten seither kontinuierlich daran auszumisten. Seit 16 Monaten ordne ich unsere Finanzen neu und immer wieder erschreckt es mich, wieviel Geld wir einfach so ausgeben. Vor 16 Monaten wurde uns klar, wenn wir unserem Kind eine Welt hinerlassen wollen die noch so ist, wie wir sie vorgefunden haben, dann müssen wir was ändern. Seit 16 Monaten dauert diese Reise.

Heute war ich an so einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr weiterkam. H. war krank. Auf der Arbeit war grade ein Wassereinbruch im neuem Gebäude und mit der Familie gab es auch mal wieder Probleme.

(btw. Während ich diese Zeilen schreibe räumt man Sohn grade Schubladen aus, die er eigentlich nicht öffnen können sollte… )

Die einschlägige Fachliteratur behauptet, an diesen Punkt kommt jeder einmal. Wir beide als Pädagogen, stehen dann immer vor dem Problem, dass wir es zwar wissen, aber bei uns wird das doch nicht so sein. Bei uns darf das doch nicht sein! Schließlich sind wir Profis. Man vergisst hier nur allzu leicht, dass man auch selber Mensch ist.

Man könnte also sagen, das wir beim Frühstück gestern Morgen die Wandlung vom Pädagogen zum Menschen vollzogen haben. Und Menschen sind nun manchmal einfach kaputt. Da hilft nur Freiräume schaffen.

So ist D. heute Morgen vier Stunden in ihrem Nähzimmer verschwunden, während ich dann vier Stunden nach dem Mittagessen wandern war, einfach so, ohne Familie. Bzw. nur mit Hund. Batterien auftanken sagt man, aber so richtig weiß man diesen Ausdruck erst zu würdigen, wenn die Batterien mal leer waren.


Minimalismus als Familie – der Auslöser

Bei uns hat es Angefangen mit dem Gegenteil von Minimalismus, nämlich dem Kauf eines Hauses. Zwei Häuser um genau zu sein (mehr vom was guten ist ja immer besser) und einem 2000qm Grundstück.

Das Haus

Schon beim Einzug hatte D. gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Er beschrieb es ungefähr so: „Ich hab nur eine Kiste in den Keller getragen und plötzlich ist er voll! Wie konnte das so explodieren?“

Damals fanden wir das noch lustig, dachten uns aber nicht weiter dabei.

In den ersten Jahren standen erst einmal andere Dinge an. Ein Gemüsebeet, den Garten verwildern, neue Möbel kaufen (wir waren ja von 60qm auf 200qm gezogen), ein Welpe großziehen (für das Sicherheitsgefühl hier im Hinterland), die Hochzeit im Garten und schließlich die Geburt unseres Sohnes.

Eines Tages, Debbie war noch Schwanger saßen wir auf dem Sofa und schauten Bilder vom Einzug. Plötzlich meinte sie „Wie haben wir es eigentlich geschafft uns so zuzumüllen?“ und tatsächlich, im Gegensatz zum Tag des Einzugs war das Wohnzimmer plötzlich übervoll mit Möbeln, Bücher und Kram.

Und jetzt?

Unser Beginn war das Buch Marie Kondo „Magic Cleaning“. Aber der eigentliche Augenöffner, dass vieles was sie sagte wir auch schon von unserer Ausbildung (beides Pädagogen) wussten nur nie für uns privat angewendet hatten.

Und so begann die Reise …